Schreib!

Atmen, schreiben, sein, fühlen, weinen, lachen, genießen, schmecken, hören, riechen, erinnern, träumen, laufen, stehen bleiben, weiterlaufen, schlafen, aufwachen, entdecken, zittern, freuen, trauern, erleben, fasziniert sein, sehen, glauben, bewegen…
Die Fülle der Dinge, die wir Menschen tun können, ist schier endlos. Ganz am Ende aber ist alles Leben. Lebe ich wirklich? Bin ich mir all der Möglichkeiten wirklich bewusst? Sind nicht viel zu viele Tätigkeiten nur Tagwerk und wir uns ihrer Wunder gar nicht bewusst? Sollten wir nicht der Dankbarkeit mehr Raum geben? Dankbarkeit, dass wir all das tun können? 

Schreibe Dich leer, heißt es. Schreibe alles auf, was Dir durch den Kopf geht. Ohne Regeln, ohne Denken, einfach öffnen und schreiben, was immer sich blicken lässt in Deinem Kopf. Gar keine so leichte Aufgabe. Immer wieder schnellt der Blick über bereits Geschriebenes, um Fehler zu entdecken und auszumerzen. Dabei ist das gar nicht nötig. Denn niemand wird das hier lesen. Nicht einmal ich wieder. Es geht um das Leerschreiben. Darum an all das Verborgene zu kommen, das ganz tief unter den Alltagsgedanken versteckt liegt und nur hier und da mein Herz bewegt. Es sind die Sätze, die manchmal, ganz selten den Weg in meine Gedanken finden und sich warm auf meine Seele legen. Immer glaube ich, sie nie wieder zu vergessen. Aufschreiben ist nicht nötig. Und schon hinter der nächsten Hausecke fliegen sie mit dem Wind die Straße entlang und bleiben nur eine Erinnerung an ein großartiges Gefühl. Vergessen für immer. Vielleicht sollte ich es mir zur Gewohnheit machen, solche Sätze aufzuschreiben. Vielleicht halten sie dem zweiten Blick nicht stand. Aber es gäbe wenigstens einen zweiten Blick.

Ich habe vergessen, wie faszinierend schreiben sein kann. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen Schreiben mein Lebenselixier war. Dann kamst Du und ich überließ Dir das Schreiben. Ich wollte Dir keine Konkurrenz sein. Wie dumm das heute klingt. Nach Jahren wage ich endlich wieder die ersten Schritte. Es mangelt an Themen. Ich weiß nicht, was ich schreiben soll. Dieses Leer-Schreiben soll mir dabei helfen, herauszufinden, was mein Innerstes aufs Papier bringen möchte. Es soll meinen Kritiker ausschalten. Genau den, der meint, mein Schreiben sei sinnlos. Ich würde keine Freude daran finden und mich abmühen müssen. Und wenn schon! Irgendetwas in mir sagt: Schreib! Ich vertraue dieser Stimme, auch wenn ich nicht weiß, wohin die Reise geht. Ich schreibe einfach. Ich schreibe so lange, bis die Worte meinen Kopf umgehen und direkt aus meinem Herzen in die Tasten fließen.

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